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Andreas Fischlin, ETH-Professor

Klimaforscher

Lösungen zeigen sich oft erst in der Nacht

Andreas Fischlin erlebte seine Jugendjahre in Solothurn. „Ich war Mitbegründer Rock-Band „Terrible Noise“, aus der dann 1975 Krokus hervorging. Ich musste mich entscheiden, ob ich Profimusiker werde oder mein Studium fortsetze.“

Als ETH Professor beschäftigte er sich früh mit den brennenden Fragen rund um den Klimawandel. Bereits beim zweiten Weltklimabericht (1995) war er einer der führenden Autoren. Schon bald sass er als Vertreter der Schweizer Wissenschaft am Tisch bei internationalen Verhandlungen. Mit dem vierten Statusbericht zum Weltklima (2007), an dem er wesentlich mitarbeitete, erhielt der Weltklimarat sogar den Friedensnobelpreis.

„Das Jahr 2007 war ein Wendepunkt für mich. Die Menschen wachten auf und realisierten, dass sie für den Klimawandel verantwortlich sind. Ich fand vor lauter Referaten kaum mehr zum Professorenalltag zurück. Die ETH Zürich gewährte mir zum Glück die Unterstützung, die ich zum Austausch mit der Bevölkerung brauchte.“

In den 17Jahren Verhandlungen erlebte Andreas Fischlin viele Überraschungen und emotionale Momente. „Da wurden auch mal Delegierte handgreiflich. Um 194 Länder auf eine gemeinsame Erklärung zu verpflichten, braucht es Geduld und Ausdauer, meist ganze Nächte hindurch.“
 
Kürzlich wählte ihn der Weltklimarat zum Vizepräsidenten der Arbeitsgruppe für Klimafolgen und -anpassung. Er bleibt Optimist, obwohl in seinen Augen nur noch wenig Zeit bleibt, um eine globale Katastrophe abzuwenden. „Die Zahl der Menschen, die 2015 vor den Folgen des Klimawandels flüchteten, war bereits doppelt so gross wie die Zahl der Kriegsflüchtlinge“, warnt er. „Ohne Klimawende wird dieser Strom noch weiter anwachsen.“ Andreas Fischlin ist ein Kämpfer. Zum Ausgleich spielt er als Bassist in einer Rock-Band, die vor allem in Schottland eine Fan-Gemeinde hat. Er ist nicht nur ein Solothurner und Schweizer, sondern auch ein überzeugter Weltbürger.