Hauptinhalt

Martina Ragettli, Dr., Basel

Wissenschaftlerin am Schweizerischen Tropen und Public Health Institut (Swiss TPH), Basel

Füreinander sorgen – besonders bei Hitze

Wenn ältere Menschen über die immer häufigeren Hitzetage stöhnen, kann Martina Ragettli sie gut verstehen. Die junge Wissenschaftlerin aus Hofstetten (So) weiss von ihrer Arbeit am Schweizerischen Tropen-  und Public Health-Institut in Basel, dass Hitzewellen für ältere Menschen nicht nur unangenehm sondern gar gefährlich sind: „Studien zum Hitzesommer 2015 sprechen von rund 800 hitzebedingten Todesfällen in der Schweiz und von zahlreichen Notfalleinweisungen.“

Da die schleichende Klimaveränderung vermehrt zu Hitzeperioden führen wird, empfiehlt Martina Ragettli den Behörden, einen Massnahmenkatalog für den Umgang mit Hitzewellen zu erarbeiten: „Am Institut haben wir eine Toolbox zusammengestellt, die den Behörden mögliche Massnahmen zur Prävention vorschlägt und ihnen hilft, einen Hitze-Aktionsplan zu erarbeiten“, erzählt die Wissenschaftlerin. Besonders gut gefällt ihr das sogenannte Buddy-System. Dabei werden Risikopersonen während einer Hitzewelle zu Hause von freiwilligen Betreuungspersonen mittels Besuchen und Telefonaten begleitet. „Das System wird in drei Kantonen bereits angewandt und hat schon einige Leben gerettet“, erzählt sie.

Wichtig ist Martina Ragettli aber auch, dass unsere Gesellschaft nicht nur auf die Auswirkungen der Klimaänderung reagiert, sondern sich auch für einen aktiven Klimaschutz einsetzt. In ihrem Arbeitsumfeld sieht sie Handlungsmöglichkeiten beispielsweise bei der Organisation von Kongressen: „Wir setzen uns für gute ÖV-Anreise-Bedingungen ein, bieten regionale Speisen an, offerieren Hahnen- statt Mineralwasser und verzichten auf ausgedruckte Tagungsunterlagen.“ Trotzdem bleibt für sie ein Wehmutstropfen: „Flugreisen für Kongressteilnehmer aus Übersee lassen sich nicht vermeiden.“ Der dadurch verursachte CO2-Ausstoss wird aber oft mit einem Beitrag an ein Gesundheitsprojekt kompensiert.