Manuel Klarmann, Zürich

Mitbegründer Eaternity

Appetit auf klimafreundliche Menus

Manuel Klarmann will die Ernährung in der Schweiz, speziell auch in Restaurants und Mensen, nachhaltiger machen. Der Wissenschaftler* hat dazu 2008 das Startup Eaternity mitgegründet. Das Konzept: Das Unternehmen sammelt CO2-Daten von Lebensmitteln. Dank dieser Grundlage können Kochprofis und interessierte Privatpersonen die Nachhaltigkeit von Lebensmitteln einschätzen. Warum ist das wichtig?  „Unsere Ernährung ist für einen Drittel der konsumbedingten Treibhausgase in Europa verantwortlich,“ erklärt Klarmann, „wenn wir mehr über unser Essen wissen, können wir durch eine clevere Zusammenstellung der Zutaten gesunde, leckere und erschwingliche Menus geniessen und zugleich Treibhausgase vermindern.“ Wie genau die Emissionen von Brot, Banane oder einer Gurke berechnet werden, ist komplex. Es geht darum, den Lebenszyklus der Nahrungsmittel aufzubrechen, damit die Zusammenhänge in der Produktion, dem Transport und der Weiterverarbeitung deutlich werden. „Die Resultate wirbeln so manche Einschätzung von guten und schlechten Nahrungsmittel durcheinander“, schmunzelt Manuel Klarmann, „Methangase treiben die CO2-Bilanz aller tierischen Produkte nach oben. Früchte aus dem fossil beheizten Schweizer Treibhaus ziehen den Kürzeren im Vergleich zu solchen, die per Schiff aus Sonnenregionen kommen. Die Biokartoffel schneidet besser ab als ihre konventionellen Varianten und ein Poulet-Gericht ist dem Käsefondue in der CO2-Bilanz überlegen.“

Das alles tönt reichlich kompliziert. Doch mit der Datensammlung und einer App, die umweltfreundliche und einfache Rezepte präsentiert, bietet Eaternity eine praktische Dienstleistung: „Wir wollen den Menschen nicht vorschreiben, was sie essen sollen. Aber wir möchten eine Grundlage bieten, aufgrund derer sie sich entscheiden können“.

Erste Erfahrungen sammelte Eaternity  2009 mit einem erfolgreichen dreiwöchigen Pilotprojekt im Restaurant der ETH Zürich. „Ihr hättet das Gesicht vom Koch sehen sollen, als wir ihm erklärten, was wir machen werden. CO-Reduktion, Klimawandel bekämpfen und unter anderem den Planeten retten. Wir sprachen mit ihm alles durch und durch, bis er die Idee zu seiner eigenen machte und sich als Held sah.“

Heute können Gäste in mehr als 74 Restaurants in der Schweiz klimafreundliche Mahlzeiten wählen. Sie alle sind auf der Website www.eaternity.ch  aufgeführt. Zwar unterstützt die  Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) das Projekt, doch arbeitet bisher im Kanton Solothurn noch kein Restaurant und keine Mensa nach den Grundsätzen von Eaternity.  „Noch nicht….“, betont Manuel Klarmann, „in Zusammenhang mit der Ausstellung „Erdbeeren im Winter“ war unserer Projekt in Solothurn bereits präsent und wer weiss, plötzlich keimt ein Samen.“ Unabhängig davon  kann jedermann in seinem Umfeld erste Schritte tun. Manuel Klarmann ist überzeugt: „Wenn sich alle entscheiden, drei Mal die Woche klimafreundlich zu essen, könnten wir sehr viele Tonnen CO pro Jahr einsparen.“

* Manuel Klarmann studierte Mathematik in Zürich und München sowie Neural Systems and Computation  an der ETH