Florian Biedermann, Wiedlisbach

Student, Hobby-Fotograf

Ein Gigant verabschiedet sich

1850 betrug das Eisvolumen in den Schweizer Bergen rund 130 km3, 2016 waren es nur noch 54 km3, also fast 60 % weniger. Das Tempo des Gletscherrückgangs ist enorm und lässt aufhorchen – auch Florian Biedermann: «Die Gletscher faszinieren mich. Sie sind bei meinen Bergtouren ein beliebtes Motiv für Foto-Reportagen. Der Geltscherschwund wird darauf deutlich sichtbar und löst Fragen nach den Auswirkungen aus.»

Für seine Maturaarbeit erkundigte er sich deshalb bei Experten, Bergführern und Einheimischen, wie sich der Rückgang des Berner Triftgletschers auf die Umgebung, auf die nahegelegenen Ortschaften und auf die Bevölkerung auswirkt.

«Die bisher eindrücklichste Veränderung ist der Schmelzsee im Gletschervorfeld. Er bildete sich im Jahr 2000 und beschäftigt sowohl die Wissenschaftler wie auch die Berggänger, die Betreiber der Kraftwerke und die Bewohner unterhalb», fasst Florian zusammen.

Über den Schmelzsee entstand 2004 eine imposante Hängebrücke. Sie sichert den Zugang zur Trifthütte. Die Brücke entwickelt sich zu einem Touristenmagnet. Erhöhtes Verkehrsaufkommen und ein ausgebuchter Zeltplatz sind damit indirekte Auswirkungen für die Gemeinde Gadmen. Unangenehm wurde die Situation für die Bewohner von Gadmen 2008: «Man befürchtete einen Zungenabbruch des Gletschers mit anschliessender Flutwelle», erzählt Biedermann.

Ein besonderes Erlebnis war für Florian der Besuch der Trifthütte und die Begegnung mit der Hüttenwart-Familie: «Sie spüren, dass der Gletscher als Gerüst für den Felsen verloren geht. Das Gelände ist in Bewegung, Bergwege gehen kaputt oder müssen wegen Felssturzgefahr gesperrt werden.» Die Besorgnis der Familie um die Natur berührte ihn sehr.

Zurück am Jurasüdfuss plagt ihn die Frage: «Werde ich meinen Kindern je die Schönheit der Gletscher zeigen können, so wie ich sie mit meinem Vater erfahren durfte? Oder bleiben nur meine Fotoreportagen?»