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Heiner Vogt, Grellingen

Phänologischer Beobachter

Ein Spaziergänger guckt genau

Heiner Vogt kann das Beobachten und Forschen nicht lassen. Er ist einer von rund 250 Personen, die für MeteoSchweiz den Entwicklungsstand der Pflanzen im Wandel der Jahreszeiten beobachten. „Wir sind viele Männer, und nur wenige Frauen.“

Seit 13 Jahren spaziert er seinen Pflanzen nach und notiert die Beobachtungen in Listen. Es geht um die Blattentfaltung, den Beginn der Blüte und das Verblühen. Der Feldstecher und ein Bestimmungsbuch sind seine wichtigsten Arbeitsinstrumente. „Das Feststellen der  Fruchtreife ist manchmal schwierig, weil die Vögel alles wegfressen“. Seine Beobachtungen meldet er an MeteoSchweiz.

Das Spriessen des Huflattichs zeigt ihm im Frühling, dass er sich auf den Weg machen muss. Jeder Spaziergang dauert eine gute Stunde. Dabei muss er sich auch mal bei der Gemeinde dafür einsetzen, dass ein Strauch, den er seit Jahren beobachtet, nicht abgeholzt wird.

Heiner Vogt sucht den Austausch mit den Forschenden. „Zuerst war ich überzeugt, die Folgen der globalen Erwärmung zu erkennen. Aber heute bin ich nicht mehr sicher. Manchmal blüht es früher, manchmal später – aber geblüht hat es bis jetzt noch immer. Ich sehe zwar, dass extreme Wetterlagen zunehmen: Trockenheit und Niederschläge. Aber die Feststellung eines Trends bei meinen Pflanzen braucht wohl mehr als 13 Jahre Beobachtung“, schmunzelt er.

Die Pflanzenwelt hält Heiner Vogt in Bewegung. „Wenn im September die Herbstzeitlosen blühen, darf ich keine Ferien machen. Dann ruft mich die Natur und da gibt es viel zu sehen.“ Manchmal schreibt er auch ins Gemeindeblatt über seine Beobachtungen zur Natur im Dorf. „Dieses Jahr begann die Amsel am ersten Februar zu singen,“ weiss er, „ viel früher als letztes Jahr.“