Lisa Christ, Olten

Slam Poetin

Foto: André Albrecht

Klar, ein Sonnenuntergang ist schön. Die Spiegelung des Himmels im Wasser, die Wellen des Meeres, fliessende Lava, mäandrierende Flüsse, die im Wind tanzenden Blätter eines Baumes: alles schöne Bilder.

Aber es gehört auch vieles zur Natur, das nervt: Man mäht den Rasen und er wächst im Eiltempo nach, man erzieht Haustiere und doch bleiben sie wild, man geniesst die Sonne und wird trotzdem verbrannt.

Wir sollten erkennen, dass sich nicht alles an der Natur für einen Instagram-Post eignet. Und nicht alles an der Natur ist unserem Überleben zuträglich: Überschwemmungen, Stürme, grosse Kälte oder Hitze – das sind alles Dinge, die uns in Bedrängnis bringen, gar unser Leben kosten können, wenn wir nicht angemessen reagieren.

Doch wir sollten nicht vergessen, dass alles, was wir brauchen, um leben zu können, ebenfalls aus unserer Umwelt stammt: Wasser, Nahrung, Luft, Wärme. Manchmal scheint es, als ob wir uns diese Güter selbst zuschreiben würden, so sehr biegen wir alles zurecht: Pflanzen werden in Quaderform gezwängt, Tiere in Haushaltsformat, Nahrung einheitlich gezüchtet, damit jedes Teil aussieht, wie in der Hochglanzwerbung.

Doch die Natur unterliegt nicht den menschlich erdachten Gesetzen und Bildern. Sie muss nicht immer schön sein und sauber. Sie muss nur genauso sein können, wie sie ist – und daran nicht gehindert werden.

Also lasst uns das nächste Mal den nicht ganz runden regionalen Apfel kaufen, anstatt den aus Südafrika. Lasst uns unsere Zigarettenstummel entsorgen und nicht auf den Boden werfen. Lassen wir die Wälder stehen und die Tiere in würdigem Umfeld leben. Lasst uns unserer Heimat mit Respekt begegnen. Damit wir auch in Zukunft noch Motive haben, die es sich lohnt, festzuhalten.

Lisa Christ, 2018 www.lisachrist.ch