Geri Kaufmann, Aeschi

Forstingenieur ETH/SIA

Mit der Eiche dem Klimawandel begegnen

"Keine andere Baumart halten wir für so urwüchsig wie unsere heimischen Eichen. Sie gelten als Symbole der Kraft und Stärke," ist der Forstingenieur Geri Kaufmann überzeugt. Auch er fühlt sich mit diesen Bäumen besonders verbunden. Weshalb die Eichen mit dieser Mythologie behaftet sind, lässt sich kaum eindeutig erklären. Ein Grund liegt sicher in ihrem eindrücklichen Erscheinungsbild mit dem breiten Stamm und den knorrigen Ästen in der Krone. Auch ihre Langlebigkeit mag zum sagenumwobenen Ruf beigetragen haben. Ein einzelner Baum überlebt nämlich oft mehrere Generationen, der um ihn lebenden Menschen. Eichen wurden seit jeher vielseitig genutzt. Ihr Holz ist dauerhaft, widerstandsfähig und fäulnisresistent. Mit der Rinde wurde Leder gegerbt. Schweineherden wurden in Eichenbestände getrieben und frassen die Früchte, denn «auf den Eichen wachsen bekanntlich die besten Schinken». Überhaupt ist die Eiche für Tiere sehr wichtig: "Keine andere heimische Baumart bietet Lebensraum für so viele Tierarten", erzählt Kaufmann.

Heute steht die Eiche vor allem wegen dem Klimawandel im Fokus - sie wird eine «Gewinnerin» sein. „Die steigenden Temperaturen führen dazu, dass es der Buche und der Rottanne bei uns zu heiss und teilweise zu trocken wird. Die heimischen Stiel- und Traubeneichen ertragen relativ gut höhere Temperaturen und Trockenstress", erklärt Geri Kaufmann und begründet damit auch sein Engagement im Verein Pro Quercus: "Der Verein setzt sich für die Förderung der Eichen ein. Denn Mischwälder mit vielen klimatoleranten Eichen sind gut gerüstet für die Herausforderungen der Zukunft." Ob wir damit den Wald als Klimaregulator, als Wirtschafts-, Lebens- und Erholungsraum erhalten können? "Ja", ist Kaufmann überzeugt, " der Wald stirbt nicht. Aber das Waldbild wird sich in den kommenden Jahrzehnten ändern. Die Waldgrenze wird leicht steigen und die Zusammensetzung der Baumarten wird sich wandeln."